Der Bietigheimer Viadukt

Der kleine Igel Ignatz - Unser stacheliger Wintergast

Es ist Winter und es gibt zur Zeit nichts Neues vom Weinbau zu berichten. Stattdessen wollen wir auf dieser Seite in Blog-Form ein wenig von unserem putzigen kleien Wintergast erzählen: Ignatz dem Igel

Der kleine Igel Ignatz am ersten Tag

2. Februar (1. Tag)

Gegen Abend klingelte das Telefon: Rolands Vater hatte einen kleinen Igel gefunden, der am hellichten Tag und bei Minusgraden versucht hatte, eine Straße zu überqueren. Lena liebt ja Viecher über alles und war sofort begeistert: Wir nehmen den kleinen bei uns auf! Bevor wir ihn abholten, noch kurz im Internet gestöbert, was es im Groben zu wissen gibt, wenn man einem Igel im Winter helfen will (an dieser Stelle seien besonders die Webseiten von "Pro-Igel" empfohlen): Nach der kurzen Internet-Recherche fuhren wir den kleinen Igel abholen: Ein müdes, kleines, stacheliges Häufchen Elend voller Flöhe und Zecken in einem Schuhkarton. Zum Glück hatte er keine äußerlichen Verletzungen. Lena taufte ihn "Ignatz" und beschloss, ihn vorerst mit zu uns nach Hause zu nehmen. Dort stellten wir ihn mit seinem Karton in die Nähe der Heizung und gaben ihm Hundefutter und Wasser.

2. Tag - Es Rappelt im Karton

Der kleine Ignatz hat in der Nacht seinen Karton und sein Schlafhäuschen nach seinen persönlichen Vorstellungen umgestaltet und uns dabei mehr als einmal aufgeweckt mit seinem Schmatzen, Kratzen, Klappern - und Husten. In unregelmäßigen Abständen gab der handflächengoße Igel einen Husten von sich, der einem Kettenraucher zur Ehre gereicht hätte. Offenbar ist der Kleine krank, aber immerhin hat er sein ganzes Hundefutter und ein halbes Ei aufgefressen und stürzte sich sogleich mit großem Appetit auf die nächste Portion.

Gleich am Morgen vereinbarten wir einen Termin mit einer Tierärztin, die leider erst am Abend Zeit hatte. Den ganzen Tag über fraß der kleine Ignatz wie ein Scheunendrescher, aber auch sein Husten schien schlimmer zu werden. Weitere Suchen im Internet ergaben, dass Husten bei Igeln wohl sehr häufig vorkommt und zwar als Folge von Befall mit Lungenwürmern, der aber zum Glück mit den richtigen Medikamenten gut behandelt werden kann. Sehr gute Infos findet man wie oben schon geschrieben im Internet bei Pro-Igel.

Die Tierärztin behandelte Ignatz freundlicherweise kostenlos, nahm eine Kotprobe, um den Parasitenbefall zu bestimmen, gab ihm ein Antibiotikum und lies ihre Helferin den Igel mit "Frontline" besprühen, was alle Flöhe zur panischen Flucht veranlasste! Der nächsten Arzttermin ist am Freitag.

Seltsamerweise wurde Ignatz in der Tierarztpraxis nicht gewogen, was wir zuhause nachholten: Mit 350 Gramm ist Ignatz eindeutig zu leicht und hätte den Winter mit Sicherheit nicht überlebt - Glück gehabt :-)

Damit er sein Wasser nicht mehr dauernd verschüttet, haben wir ihm dann noch ein neues Schälchen gekauft.

3. Tag

Ignatz frisst weiterhin jede Menge (besonders gerne mag er sein hartgekochtes Ei) und liegt den ganzen Tag, alle Viere von sich gestreckt wie ein Bärenfell, in seinem Karton, aber sein Husten ist leider kein bisschen besser geworden. Wir machen uns große Sorgen um den kleinen, vor allem, wenn dieses winzige Viech Nachts vor sich hin hustet :-( Hoffentlich bekommt er morgen von der Tierärztin das Entwurmungsmittel, damit seine Lunge endlich von den Würmern befreit wird.

4. Tag

Heute waren wir zum zweiten Mal bei der Tierärztin, die ihm wieder ein Antibiotikum spritzte. Sie hatte im Kot allerdings keine Parasiten gefunden, und sagte, es sei nicht nötig, Ignatz zu entwurmen. Wir kamen uns in dieser Praxis nicht besonders gut beraten vor, denn alle erfahrenen Igel-Experten im Internet betrachten Husten bei Igeln als eindeutiges Symptom von Lungenwürmern. Aber eigentlich sollte die Tierärztin doch wissen, was sie tut - oder nicht?

Lena erweiterte heute Ignatz' Gehege um einen weiteren Karton, der mit einem Schlupfloch an seinen Karton angeklebt ist.

Da der Husten sich kein bisschen gebessert hat, fragten wir im Igel-Forum um Rat - und der fiel eindeutig aus: "Ignatz muss dringend entwurmt werden - sucht euch einen anderen Tierarzt!" Nur wer in Bietigheim kennt sich aus mit Igeln?

5. Tag

Ignatz' Husten ist schlimmer geworden und er hat seinen bisher gesegneten Appetit verloren - wir sind langsam am verzweifeln. Ansonsten macht er aber einen recht munteren Eindruck. Der Winterschlafinstinkt ist trotz Zimmertemperatur so ausgeprägt, dass er sein Nest bis oben hin mit Küchenpapier vollstopft.

6. Tag

Uns fällt ein Stein vom Herzen: Auf unser Posting im Igel-Forum hat sich Winnie bei uns gemeldet, die zuhause eine kleine Igelstation betreibt. Sie hat angeboten, den kleinen Ignatz zur Entwurmungskur für ein paar Tage bei sich aufzunehmen. Wir sind dann gleich zu ihr gefahren und haben ihr den Kleinen gebracht: Winnie ist sehr nett und kennt sich bestens mit der Pflege von Igeln aus - hier ist Ignatz in guten Händen :-) Trotzdem fiel der Abschied ein bisschen schwer, aber wir würden ihn ja in ein Paar Tagen wieder bekommen und Winnie wird uns per E-Mail und Telefon auf dem Laufenden halten, wie es mit dem kleinen Ignatz weitergeht.

8. Tag

Im Gegensatz zur Tierärztin hat Winnie unter dem Mikroskop übrigens sehr wohl Parasiten in Ignatz' Kot entdeckt, und zwar nicht gerade wenige! Gestern hat er endlich seine erste Entwurmungsspritze bekommen, aber leider entfaltet das Mittel nicht seine erhoffte appetitanregende Nebenwirkung - er rührt sein Futter immernoch nicht an. Er bekommt deswegen mit einer Spritze eine "Päppelnahrung" direkt ins Mäulchen.

Aktuelles Gewicht: 388 Gramm.

9. Tag

Heute Nacht hat Ignatz wenigsten ein gekochtes Hühnerflügelchen verputzt - alles andere hat leider weiterhin stehen lassen. Weil er nicht ordentlich frisst, kann Winnie ihm die Entwurmungsmittel nicht wie geplant geben, sondern muss behutsamer vorgehen - und ihn weiterhin 5 mal pro Tag "Zwangsernähren". Wahrscheinlich muss er noch ein paar Tage länger in der Igelstation bleiben.

10. Tag.

Ignatz geht es etwas besser und Winnie zieht alle Register, ihn zum Fressen zu animieren - und hat dabei etwas entdeckt, was er mag: Lebendige Schwarzkäferlarven! Von denen darf er aber nicht so viele essen, wie er gerne würde.

Mittlerweile wiegt er 435 Gramm :-)

Ignatz in Bettvorleger-Pose

11. Tag

Dem kleinen Igel geht es ganz gut, und er bringt jetzt 493 Gramm auf die Waage. "Seine Wählerischkeit" hat den Speiseplan auf Hühnchenflügel, Rührei und Hackfleisch erweitert. Sein Husten bessert sich nur langsam.

12. Tag

Heute wiegt Ignatz 496 Gramm und frisst mittlerweile zusätzlich auch Avocado und Mozarella.

16. Tag

Heute war der letzte Tag der Entwurmungskur und wir durften unseren kleinen Igel endlich wieder abholen. Er wiegt nun über 600 Gramm und ist kaum wiederzuerkennen - dick und rund, wie man sich einen Igel vorstellt :-) Da er immernoch etwas hustet und beim Atmen auch noch Geräusche macht, müssen wir ihm in den kommenden Tagen noch Hustensaft (getarnt in seiner Päppelnahrung) verabreichen. Er soll nun noch mindestens 10 Tage im Warmen bleiben und sich noch mehr Speck anfressen, bevor er dann wieder in seinen Winterschlaf zurückkehren darf.

17. Tag

Ignatz hat sich schnell wieder bei uns eingelebt. Erfreulicherweise frisst er auch sein Hundefutter wieder mit Vergnügen :-) Von seinem Hustensaft hält er aber ganz und gar nichts, da braucht Lena einige Geduld, bis er die wenigen Milliliter aus der Spritze gefressen hat. Nur für die Kamera hat er eine Ausnahme gemacht und sogar die Spritze angegriffen. Sein aktuelles Kampfgewicht: "Teuflische" 666 Gramm!

18. Tag

Weiterhin frisst und schläft Ignatz den ganzen Tag und wog heute abend 686 Gramm. Sein Husten ist leider immer noch nicht ganz verschwunden.

19. Tag

Den Hustensaft musste sich Ignatz heute zum letzten Mal gefallen lassen und - kaum zu glauben - er hat seit gestern 70 Gramm zugenommen auf 755 Gramm!

20. Tag

Heute hat Ignatz nicht zugenommen, was gar nicht so schlecht ist, denn sein Winterschlafgewicht hat er ja schon erreicht und allzu fett muss er ja nicht unbedingt werden :-)

21. Tag

Der kleine dicke Igel hat heute scheinbar einen mürrischen Tag und war beim Wiegen besonders angriffslustig - seine Zähne und Stacheln sind zwar schmerzhaft aber ungefährlich. Und selbst mit seiner schlechten Laune, fauchend und schimpfend ist er einfach nur putzig :-). Bei heutigen Video kann man auch an einer Stelle sein Husten hören. Hoffentlich hört das bald auf! Und wieder ist er ein bisschen schwerer: 773 Gramm.

26. Tag

Das Frühlingswetter kommt diesem Plan zwar nicht unbedingt entgegen, aber eigentlich soll Ignatz noch ein wenig Winterschlaf halten. Dafür bekommt er ein gemütliches Häuschen, das wir morgen einweihen wollen. Dick genug ist er jetzt auf alle Fälle mit seinen 810 Gramm.

29. Tag

Das Winterschlafhaus für Ignatz den Igel Eigentlich war ja der Umzug schon gestern vorgesehen, aber wir wollten Ignatz nicht gleich an seinem ersten Abend im Freien dem Sturm "Xynthia" aussetzen. Die neue Umgebung ist wahrscheinlich schon stressig genug für ihn. Aber heute ist Ignatz in seine gemütliche 2-Zimmer-Igelwohnung auf der Terasse eingezogen: Ein Eckregal mit Tür, in das wir in Boden und Zwischenboden jeweils eine Öffnung mit 10 Zentimeter Durchmesser gebohrt haben. Das Schlafzimmer ist mit reichlich zerknülltem Zeitungspapier als Nestmaterial ausgepolstert und im Vorraum steht ein wenig Futter und Wasser bereit, falls Ignatz doch mal aufwacht. Das ganze steht zur zusätzlichen Isolierung auf einer Styrodur-Platte. Diese wollte Ignatz dann sogleich aufessen, so dass wir sie unter den Karton verlegten. Theoretisch sorgt die Kälte jetzt dafür, dass er wieder in den Winterschlaf fällt, aber eigenwillig wie Igel sind, kann es auch sein, dass er darauf keine Lust hat. Falls er nach einer Woche immer noch nicht schlafen sollte, holen wir ihn wieder ins Warme.

30. Tag

Tolles Timing :-/ Heute legen die Landschaftsbauer bei den Nachbarn richtig los mit Pflasterarbeiten und die Steinsäge läuft fast ununterbrochen. Ob ein Igel bei dem Lärm einschlafen kann?

18. April 2010 (Tag 75)

Seit heute ist Ignatz wieder auf freiem Fuß! Aber zunächst noch ein kurzes Update über die letzten Wochen: Zum Winterschlafen konnten wir Ignatz nicht mehr überreden und so verbrachte er die Zeit bis zum Frühling auf unserer Terasse und wurde jeden Tag noch ein bisschen dicker. Das Füttern seiner Vitamin-Zusatznahrung mit der Spritze hat sich überraschenderweise erledigt, denn Ignatz ist auf den Geschmack gekommen und schleckt das Becherchen, bis zum letzten Rest leer, wie das Foto zeigt.

Ignatz liebt mittlerweile sein Vitamine!

In der Zwischenzeit machten wir uns auf die Suche nach einem neuen Lebensraum für unseren Igel und nach gründlicher Auswahl entschieden wir uns für ein malerisches Fleckchen Erde in einer Benjes-Hecke mitten in einem einem Landschaftschutzgebiet mit einem Bach, vielen Hecken und Schrebergärten, weit ab von viel befahrenen Straßen.

Mittlerweile ließ auch der Frühling sein blaues Band... und Ignatz wurde immer unruhiger, schnupperte in die milde Frühlingsluft und kratze die ganze Nacht an der Wohnungstür. Am Sonntag war dann die Zeit gekommen, von unserem lieb gewonnenen Gast Abschied zu nehmen. In der Abenddämmerung brachen wir den mittlerweile ganr nicht mehr so kleinen Ignatz zu seinem neuen Nest unter der Benjeshecke, das wir ihm mit etwas Heu ausstopften. Das Nest besichtigte Ignatz nur kurz und machte sich dann neugierig ans Erkunden der Hecke und Wiese. Ob ihr es glaubt oder nicht, er hat sogar ein Paar Purzelbäume gemacht, während es sich schnüffelnd immer weiter vom Nest entfernte, so gut gefiel es ihm!

Ignatzens neuer Lebensraum

In den nächsten Wochen legten wir ihm noch jeden Abend ein Ei oder etwas Hundefutter ins Nest, aber gesehen haben wir ihn nicht mehr... Alles gute Ignatz!

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